Inhalt · 9 Abschnitte
- Was ist ein geringes Selbstwertgefühl?
- Wie fühlen sich geringer Selbstwert, Scham und innere Leere an?
- Was ist der Unterschied zwischen Scham und Schuld?
- Was ist der innere Kritiker?
- Wie hängen Selbstwert und frühe Erfahrungen zusammen?
- Wie arbeite ich mit Selbstwert und Scham?
- Fragen zur Selbstreflexion
- Praxis in Köln-Mülheim
- Häufige Fragen
Manche Menschen tragen das Gefühl in sich, nicht richtig oder nicht genug zu sein, auch wenn von außen betrachtet vieles gelingt. Dazu kommen oft eine strenge innere Stimme, Scham oder eine schwer greifbare innere Leere. Hier beschreibe ich, wie sich das anfühlen kann und wie ich damit arbeite.
Was ist ein geringes Selbstwertgefühl?
Ein geringes Selbstwertgefühl ist die tiefe, oft schwer erklärbare Überzeugung, als Mensch weniger wert zu sein als andere. Sie bleibt häufig bestehen, auch wenn von außen betrachtet vieles gelingt. Lob und Anerkennung erreichen das Innere kaum. Geringer Selbstwert ist keine Diagnose, sondern beschreibt eine Art, sich selbst zu erleben.
Viele Menschen fassen dieses Grundgefühl in einen kurzen Satz: „Ich bin nicht genug.“ Manchmal klingt es auch wie „Ich bin zu viel“ oder „Mit mir stimmt etwas nicht“. Solche Sätze werden selten laut ausgesprochen. Sie wirken eher im Hintergrund und färben viele Entscheidungen.
Selbstwert ist nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein. Manche Menschen treten souverän auf, halten Vorträge oder führen Teams und zweifeln innerlich trotzdem an ihrem Wert. Selbstwert meint, ob ich mich grundsätzlich annehmen kann, unabhängig davon, was ich leiste.
Wie fühlen sich geringer Selbstwert, Scham und innere Leere an?
Geringer Selbstwert, Scham und innere Leere treten oft gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Sie zeigen sich im Denken, im Körper und im Kontakt mit anderen. Viele Menschen erleben sie nicht als einzelnes Problem, sondern als stillen Begleiter, der in vielen Situationen mitredet.
Geringer Selbstwert im Alltag
Ein Kompliment wird sofort abgeschwächt: „Ach, das war doch nichts.“ Nach einem Gespräch im Büro geht man jeden Satz noch einmal durch und sucht nach Fehlern. Um Hilfe zu bitten fühlt sich an, als würde man zur Last fallen.
Manche gleichen das Gefühl durch besonders viel Leistung aus. Sie sind zuverlässig, hilfsbereit und perfektionistisch. Die Anerkennung, die dafür kommt, hält aber nur kurz.
Scham
Scham ist ein Gefühl, das den ganzen Menschen erfasst. Der Blick senkt sich, das Gesicht wird heiß, man möchte am liebsten unsichtbar sein. Manche schämen sich für ihre Bedürfnisse, für Tränen, für Wut oder einfach dafür, Raum einzunehmen.
Scham ist eng mit dem Blick anderer verbunden. Oft reicht schon die Vorstellung, gesehen zu werden, damit sie auftaucht. Deshalb bleibt sie häufig unausgesprochen, auch gegenüber vertrauten Menschen.
Innere Leere
Innere Leere beschreiben viele als Gefühl, von sich selbst getrennt zu sein. Der Alltag funktioniert, doch Freude, Interesse oder Lebendigkeit fehlen. Manchmal wird diese Leere mit Arbeit, Medien oder ständiger Beschäftigung gefüllt, damit sie nicht spürbar wird. Manche bemerken sie erst in ruhigen Momenten, am Wochenende oder im Urlaub.
Was ist der Unterschied zwischen Scham und Schuld?
Schuld bezieht sich auf eine Handlung, Scham auf die eigene Person. Schuld sagt „Ich habe etwas falsch gemacht“, Scham sagt „Ich bin falsch“. Schuld drängt eher zur Wiedergutmachung, etwa zu einer Entschuldigung. Scham drängt eher zum Rückzug, zum Verstecken und Verstummen.
Scham an sich ist nichts Krankhaftes. Sie schützt unsere Intimsphäre und zeigt uns, wo Grenzen liegen. Schwierig wird es, wenn Scham nicht mehr an einzelne Situationen gebunden ist, sondern das ganze Selbstbild prägt.
Was ist der innere Kritiker?
Der innere Kritiker ist eine strenge innere Stimme, die eigenes Handeln fortlaufend bewertet und meist abwertet. Er kommentiert Fehler, vergleicht mit anderen und kündigt Scheitern an. Für viele Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ist diese Selbstkritik so vertraut, dass sie gar nicht mehr als Stimme auffällt, sondern als Wahrheit.
Oft hatte der innere Kritiker einmal eine schützende Aufgabe. Wer sich selbst zuerst kritisiert, kommt der Kritik anderer zuvor. Wer sich klein macht, fällt weniger auf. Es kann entlastend sein, diese frühere Funktion zu würdigen, statt den Kritiker nur loswerden zu wollen.
„Die strenge innere Stimme war einmal ein Versuch, dazuzugehören.“
Wie hängen Selbstwert und frühe Erfahrungen zusammen?
Selbstwert bildet sich in den ersten Beziehungen unseres Lebens. Ein Kind erfährt durch die Reaktionen seiner Bezugspersonen, ob es mit seinen Gefühlen willkommen ist. Fehlt diese Antwort über lange Zeit, kann die Überzeugung entstehen, mit einem selbst stimme etwas nicht. Diese Überzeugung bleibt oft bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Wie frühe Erfahrungen langfristig nachwirken können, beschreibe ich auf der Seite zu Entwicklungstrauma. Auch spätere Erfahrungen prägen den Selbstwert, zum Beispiel Mobbing in der Schule, abwertende Beziehungen oder ständiger Druck im Beruf.
Geringer Selbstwert wirkt sich häufig auf Beziehungen aus. Wer sich selbst wenig wert fühlt, rechnet eher mit Ablehnung. Dann kann auch Nähe schwerfallen. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Angst vor Nähe.
Wie arbeite ich mit Selbstwert und Scham?
In meiner Arbeit mit Selbstwert und Scham verbinde ich Gestalttherapie mit NARM. Wir arbeiten nicht an einem neuen, besseren Selbstbild, das Sie sich erarbeiten müssten. Es geht darum, wahrzunehmen, wie Selbstkritik und Scham heute entstehen, und dabei Schritt für Schritt einen freundlicheren Kontakt zu sich selbst zu erkunden.
Haltung
Scham braucht Zeit und Respekt. Sie müssen nichts erzählen, wofür Sie noch nicht bereit sind. Ich bewerte nicht, was Sie fühlen oder denken. Wenn Scham im Gespräch auftaucht, darf das langsam gehen.
Gegenwart und Körperwahrnehmung
Die Gestalttherapie richtet den Blick auf das, was jetzt geschieht. Wir achten gemeinsam darauf, wie sich Scham oder Selbstkritik im Moment zeigen: im Atem, in der Haltung, im Blick. Wenn wir das verlangsamen, entsteht oft ein wenig Abstand zum automatischen Urteil.
Mit NARM
Die NARM-Therapie versteht Sätze wie „Ich bin nicht genug“ als Teil der eigenen Identität, die sich in frühen Beziehungen gebildet hat. Wir erkunden, wann diese Überzeugung heute auftaucht und wie sie sich im Körper zeigt. Ziel ist nicht, sie wegzudrücken, sondern sie als gewordene Erfahrung zu erkennen.
Fragen zur Selbstreflexion
Die folgenden Fragen laden dazu ein, den eigenen Umgang mit Selbstwert und Scham zu betrachten. Sie haben keinen Punktwert und keine richtigen Antworten.
- Wie spreche ich innerlich mit mir, wenn mir ein Fehler passiert?
- Kann ich ein Lob annehmen, ohne es sofort abzuschwächen?
- Wofür schäme ich mich, obwohl ich niemandem geschadet habe?
- Habe ich das Gefühl, Zuneigung erst verdienen zu müssen?
- Gibt es Zeiten, in denen ich mich innerlich leer oder abgeschnitten fühle?
- Fällt es mir schwer, Nein zu sagen, aus Sorge, abgelehnt zu werden?
- Woran merke ich im Körper, dass Scham auftaucht?
Diese Fragen sind kein Test. Sie ersetzen keine fachliche Einschätzung im Gespräch, können aber ein Anfang sein, aufmerksamer mit sich umzugehen. Ob eine Einzeltherapie für Sie passt, können wir im Erstgespräch klären.
Entwicklungstrauma Gestalttherapie NARM-Therapie
Praxis in Köln-Mülheim
Begleitung bei Selbstwert und Scham in Köln
In meiner Praxis in Köln-Mülheim, nahe Wiener Platz, begleite ich Erwachsene, die einen anderen Umgang mit Selbstzweifeln, Scham und innerer Leere suchen. Auf Deutsch oder Englisch, auch online.
Häufige Fragen
Kann man ein geringes Selbstwertgefühl stärken?
Selbstwert ist nichts Festes, sondern entwickelt sich in Beziehungen weiter. Neue Erfahrungen, in denen Sie mit Ihren Gefühlen gesehen werden, können den Blick auf sich selbst verändern. Wie das bei Ihnen verläuft, ist individuell. In einer Begleitung schauen wir gemeinsam, was Sie dabei unterstützen kann.
Ich schäme mich, über meine Scham zu sprechen. Wie kann ich anfangen?
Das geht vielen so, und es ist ein guter Ausgangspunkt. Sie müssen im Erstgespräch nichts erklären, wofür Sie noch keine Worte haben. Es reicht, zu sagen, dass es schwerfällt. Das Tempo bestimmen Sie.
Was bedeutet innere Leere?
Innere Leere beschreibt das Gefühl, von sich selbst und von anderen abgeschnitten zu sein. Der Alltag läuft weiter, doch Freude und Lebendigkeit fehlen. Wenn die Leere mit anhaltender Niedergeschlagenheit einhergeht, ist es sinnvoll, das auch ärztlich abklären zu lassen.
Von außen läuft bei mir alles gut. Ist eine Begleitung trotzdem sinnvoll?
Ja. Viele Menschen mit geringem Selbstwertgefühl sind beruflich und privat sehr leistungsfähig. Das innere Erleben passt oft nicht zu dem, was andere sehen. Genau dieser Widerspruch kann ein Anlass sein, sich Zeit für sich zu nehmen.
Woran erkenne ich, ob ich Scham oder Schuld fühle?
Eine einfache Unterscheidung: Bei Schuld geht es um etwas, das Sie getan haben. Bei Scham geht es darum, wer Sie sind. Schuld lässt sich oft durch eine Entschuldigung klären, Scham bleibt auch dann bestehen. Häufig mischen sich beide Gefühle.